Oktober 1860.
Zar Alexander II. von Russland, Kaiser Franz Joseph I. von Österreich treffen den preußischen Prinzregenten Wilhelm (er wird erst später zu Kaiser Wilhelm I.) in Warschau.
Wilhelm hatte noch bis vor zwei Jahren als Kronprinz im Schatten seines älteren Bruders, König Friedrich Wilhelm IV., gestanden (der seit 1840 regiert). Erst als dieser regierungsunfähig wird, übernimmt Wilhelm zunächst als Prinzregent die preußischen Amtsgeschäfte. Obwohl mittlerweile bereits über 60 Jahre alt, ist er diplomatisch unerprobt, besitzt kaum politische Führungserfahrung.

Als Otto von Bismarck im Oktober 1860 aus dem diplomatischen Corps mit diesen Sorgen konfrontiert wird (wie denn ein vollkommen unerfahrener Prinzregent mit zwei diplomatisch versierten Kaisern verhandeln solle), gibt er einen legendären Ratschlag:
„Grübeln Sie doch nicht über diese Dinge und machen Sie sich keine Sorgen […]
Otto v. Bismarck zu Justus v. Gruner. Nach: Justus v. Gruner, Rückblick auf mein Leben, in: Deutsche Revue 26, 1901, Bd. 3, S. 85.
Folgen Sie meinem Rate und meinem Beispiel, trinken Sie eine Flasche Champagner und essen Sie ein paar Dutzend Austern dazu, und ich bin überzeugt, daß Ihnen die Weltlage sofort in einem weit rosigeren Lichte erscheinen wird.“


