Case Study Michael Jackson II

Zuerst von mir gepostet auf blog.de am 09.07.2009

Der Tod Michael Jacksons ist wie ein Kristallisationspunkt der Pop-Kultur-Geschichte. Es ist unglaublich, was Jackson alles für diese Kultur geleistet hat. Er steht aber auch für das Ende dieser Kultur.

Man hält inne und denkt über diesen Wandel nach. Dazu gehört nicht nur, daß es Biographien und Erfolge, wie den von Jackson mit hoher Wahrscheinlichkeit in der postvinylen Zeit nicht mehr geben wird. Dazu gehört auch, daß der Wandel in Ästhetik, Rezeption und Distribution am Beispiel Jackson so greifbar ist.

Nach Nielsen Soundscan sind in der Woche nach seinem Tode in den USA 422.000 Alben Michael Jacksons verkauft worden. Daß davon 225.000 über den digitalen Äther abgesetzt wurden hat wohl auch damit zu tun, daß Sony und Universal nicht so schnell auf die Nachfrage reagiert und physische Datenträger nachproduziert haben.

Darunter sind gleich mehrere der best verkauftesten Alben aller Zeiten – diverse Alben finden sich in den Top100 der RollingStone Charts der besten Alben aller Zeiten.

Muß man THRILLER, BAD, DANGEROUS eigentlich noch erwähnen?

Anscheinend muß man. Denn in der gleichen Zeit, in der ganze 197.000 physische Jackson-Alben in den USA verkauft wurden (wenn man die digitalen Versionen mal außen vor läßt), – darunter übrigens auch die großen Single-Compilations wie die No. Ones-CD – wurden 2,3 Mio. individual tracks Jacksons per Download gekauft.

197.000 physische Alben vs. 2.300.000 individual Download tracks.

Nochmal: Michael Jackson hat mindestens 2 der wichtigsten Alben der popularen Musikgeschichte produziert und nach seinem Tod kaufen die Leute keine Alben sondern picken sich die Rosinen – laden sich ihre Lieblingstracks.

Longplay – RIP.

Der Tod Michael Jacksons beweist eindrucksvoll den schon vorangegangenen Tod des Albums.

Was der Tod des Albums für gigantische Folgen für die Musikindustrie und die Künstler mit sich bringt, wie Wertschöpfung mit und für Musik außerhalb des Live-Betriebs in Zukunft noch funktionieren kann, sei dahin gestellt. Laßt uns zunächst in Trauer verharren vor dem Tod einer Ästhtetik, einer Annäherung an Populare Musik, die kommende Generationen nicht mehr kennen werden.